Autochthones Saat- und Pflanzgut
Techniken und Verfahren zur Anlage von autochthonen Grünlandbeständen
Vorbereitung des Bodens
Zunächst muss eine dem Zielbestand entsprechende Vorbereitung des Bodens erfolgen. Zur Entwicklung von Magerrasen ist es meist erforderlich, den durch die Vornutzung aufgedüngten Oberboden abzuschieben bzw. ein humusfreies Substrat anzubieten. Wo der Untergrund aus Schottern besteht, ist es günstig, auf einen deutlichen Feinkornanteil zu achten, da sonst die Vegetationsentwicklung sehr langsam erfolgt.
Besonders anspruchsvoll ist die Begrünung nährstoffarmer Feuchtstandorte im Einflussbereich von Grund- oder Oberflächenwasser. Hier ist es zweckmäßig, ein sehr flach geneigtes Gelände herzustellen, damit je nach den unvorhersehbaren Feuchteverhältnissen des Untergrunds ein Teil des Geländes optimale Keimungs- und Aufwuchsbedingungen bietet. In Flusstälern sowie in der Nähe von Birken, Aspen oder Weiden ist es wichtig, dass während des Flugs der Baumfrüchte keine unbedeckten nackten Böden zur Verfügung stehen, da sonst Gehölzanflug einen erheblichen Pflege-Mehraufwand verursachen kann.
Begrünung mit Ansaatmischungen
Hierbei werden Saatmischungen aus feldmäßig produzierten Wildarten gesicherter Herkünfte oder aus Wildsammlungen ausgesät. Die genetische Eigenart und Vielfalt der Arten bleibt erhalten, da sie nicht züchterisch bearbeitet werden und maximal der F5-Generation (gerechnet ab der wild wachsenden Stammpflanze) angehören. Da eine regionale Produktion möglich ist, eignen sich solche Mischungen für alle Einsatzgebiete. Die Aussaat kann nass und trocken erfolgen. Die Zusammenstellung einer geeigneten Mischung erfordert umfangreiche pflanzenbiologische Kenntnisse.
Beispiel für eine problemminimierende Wiesenansaat-Mischung ("Forstmoos IIb", Regierung von Niederbayern): siehe unten "Weiterführende Informationen"
"Naturgemische"
Schnittgutbegrünung
Bei diesem Verfahren wird frischer bzw. angewelkter Aufwuchs oder samenhaltiges Heu von geeigneten Ausgangsbeständen auf die vorbereitete Fläche aufgebracht. Mit dem Mulchmaterial werden in noch größerem Umfang als beim Heudrusch Eier oder Larven von Tieren sowie die Mikrofauna und -flora einer artenreichen Wiese zum neuen Standort verfrachtet, insbesondere beim Einsatz eines Saugmulchgerätes. Ein akzeptables Ergebnis erfordert wegen der unterschiedlichen Samenreife die Übertragung von Mähgut, das in unterschiedlichen Monaten gewonnen wurde (mindestens früher und später Schnitt).
Druschgutbegrünung
Bei diesem Verfahren werden geeignete artenreiche Bestände gemäht; das Mähgut wird aufgenommen und getrocknet. Vorteilhaft ist, dass das Material aus zeitlich versetzten Mähterminen gemischt werden kann. Das gewonnene Material, welches noch Druschreste enthält, wird dann gemischt und auf die vorgesehene Fläche aufgebracht. Das geschieht im Regelfall durch Anspritzbegrünung, wodurch sich das Verfahren für großflächigen Einsatz eignet, und zwar auf allen Böden.
Rechengut-Begrünung
Besonders bei hochwertigen Kleinflächen, die nicht mehr oder nur im Sommer gemäht werden, aber auch bei kleinen moosreichen Feuchtflächen können mit der herausgerechten Streu- und Mooslage die Samen eines Großteils der bestandsbildenden Pflanzenarten erfasst werden.
Übertragung von diasporenhaltigem Oberboden
Wo artenreiche Magerrasen einem Bauvorhaben weichen müssen, kann eine Übertragung auf einen neuen Standort dadurch erfolgen, dass man die diasporenhaltige oberste Bodenschicht und die darauf wachsenden Pflanzen abschiebt, in geringer Schichtdicke auf der vorgesehenen und vorbereiteten Fläche verteilt und festwalzt.
Sodenverpflanzung
Das Umsetzen ganzer Soden ist nur bei sehr hochwertigen Eingriffsbeständen und einer gewissenhaften Ausführung berechtigt. So ist es wichtig, dass beim Ausbringen keine Hohlräume bzw. Spalten entstehen.
Bei allen mit Samen-Naturgemischen arbeitenden Verfahren sollten die sich neu entwickelnden Bestände zunächst nicht gemäht werden, um den wichtigen Arten die Gelegenheit zum Aussamen zu geben.
Der Erfolg von Begrünungsmaßnahmen mit Mähgut, Rechengut oder Heudrusch lässt sich erst im zweiten, manchmal aber auch erst im dritten Jahr nach der Ausbringung beurteilen.
Kombinierte Verfahren
Redaktioneller Hinweis: Der Beitrag befindet sich noch in der fachlichen Abstimmung.
