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Bayerisches Staatsministerium für
Umwelt und Gesundheit

Bayerischer Artenschutzbericht 2010

Der Artenschutzbericht Bayern ist die erste Zwischenbilanz der Bayern Arche. Die Bayern Arche bündelt die verschiedenen Maßnahmen, mit denen die Bayerische Biodiversitätsstrategie umgesetzt wird. Der Artenschutzbericht bietet eine umfassende Übersicht über die Situation in Bayern. Er listet auf, was bisher erreicht wurde und vor welchen Herausforderungen der Freistaat beim Artenschutz steht.

Artenschutz - eine kulturelle Pflichtaufgabe

Den Reichtum der Schöpfung gilt es aus ethischen, ökologischen und ökonomischen Gründen zu bewahren. Die biologische Vielfalt sichert die Leistungsfähigkeit der Ökosysteme, die Grundlage unseres Wohlstands ist. Sie bringt dem Menschen außerdem direkten wirtschaftlichen Nutzen und fördert die Gesundheit. Die Maßnahmen der Bayerischen Staatsregierung für den Erhalt der Artenvielfalt sind integraler Bestandteil einer umfassenden Umweltpolitik.

Situationsanalyse

Weltweit wird ein Rückgang der Artenvielfalt beobachtet, in Europa sind auch die geschützten Arten und Lebensraumtypen zu einem erheblichen Teil bedroht. Das in der Europäischen Union (EU) vor etwa zehn Jahren vereinbarte Ziel, bis zum Jahr 2010 weitere Verluste der biologischen Vielfalt zu stoppen, wurde nicht erreicht. Die biologische Vielfalt ist heute weltweit ebenso wie in Europa und Deutschland in einem ernsten Zustand.

International sind umfangreiche Regelwerke für den Artenschutz in Kraft, darunter die Konvention über die biologische Vielfalt (CBD). Die EU hat mit ihren Natur-schutzrichtlinien und dem Schutzgebietsnetz Natura 2000 einen Rahmen für den Artenschutz in Europa vorgegeben. Die Bundesregierung hat eine nationale Strategie zur biologischen Vielfalt, deren Umsetzung anhand von Indikatoren verfolgt wird. Bayern hat als erstes Bundesland eine eigene, von der bayerischen Staatsregierung verabschiedete Strategie zum Erhalt der Biologischen Vielfalt vorgelegt.
Der Klimawandel, der auch in Bayern spürbar ist, bedeutet für den Artenschutz eine zusätzliche große Herausforderung, weil er die Verteilung und das Zusammenspiel von Lebensgemeinschaften gravierend verändert. Viele Arten und Lebensräume können sich nicht verlagern oder werden von neu einwandernden Arten verdrängt. Davon sind insbesondere Arten der Moore und des Hochgebirges betroffen.

Zustand der Artenvielfalt in Bayern

Bayerns Natur ist ein riesiger Schatz von unbeschreiblicher Vielfalt und beeindruckender Schönheit. Etwa 80.000 Arten leben in Bayern. Von den Tier- und Pflanzenarten Deutschlands kommen 80 Prozent im Freistaat vor, der etwa 20 Prozent der Fläche Deutschlands umfasst. Die meisten Arten leben in Wäldern. Die Alpenregion hat eine besondere Bedeutung für die biologische Vielfalt in Bayern, weil viele Arten nur im Hochgebirge leben.
Von den Tieren, Pflanzen und Pilzen, die für die Rote Liste der in Bayern gefährdeten Arten untersucht wurden, sind über 40 Prozent bedroht. 5,7 Prozent seiner Tierarten und 3,5 Prozent seiner Pflanzenarten hat Bayern bereits verloren. Alarmierend ist der Rückzug vieler ehemals häufiger Arten aus weiten Landesteilen.

Bayern Arche - Artenschutz in Bayern

Die Bayerische Staatsregierung hat bereits 2008 die Bayerische Biodiversitätsstrategie beschlossen, die vier Handlungsschwerpunkte hat:

  • Schutz der Arten- und Sortenvielfalt,
  • Schutz und Erhalt von Lebensräumen,
  • Vernetzung der Lebensräume durch Biotopverbund,
  • Vermittlung von Umweltwissen durch Bildung und Forschung.

Seine Maßnahmen zur Umsetzung der Biodiversitätsstrategie hat das Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit unter der Dachmarke Bayern Arche gebündelt. Dazu gehören neben den Förderprogrammen das Arten- und Biotopschutzprogramm, Programme zur Überwachung der Bestände, ein Fachinformationssystem und weitere Programme für spezielle Aufgabenfelder.

Die Schutzgebiete Bayerns stellen ein Netzwerk von Flächen dar, auf denen die Erfordernisse des Artenschutzes vorrangig umgesetzt werden können. Dabei sind die beiden Nationalparke Bayerischer Wald und Berchtesgaden, die 758 Natura-2000-Gebiete und die 587 Naturschutzgebiete von höchstem Wert.
Für den Erhalt von Arten, die vom Aussterben bedroht sind oder für die Bayern eine besondere Verantwortung hat, sind spezielle Artenhilfsprogramme in Kraft. Sie haben sich als wirkungsvolle Instrumente erwiesen, z. B. zur Rettung des Weißstorchs, der Wiesenweihe, des Steinadlers und des Bayerischen Löffelkrauts. Für andere Arten, z. B. die Flussperlmuschel, sind die Artenhilfsmaßnahmen aber bisher noch nicht ausreichend. Hier müssen die Schutzanstrengungen fortgesetzt und intensiviert werden.
Die vielen regionalen und lokalen Aktivitäten zur Verbesserung des Artenschutzes und des Biotopverbunds sind im BayernNetz Natur zusammengefasst. Bisher gehören 369 Projekte hierzu, von denen etwa die Hälfte auf den Erhalt ausgewählter Arten zielt.
Viele Lebensräume werden durch Förderprogramme der Bayern Arche erhalten und gepflegt. Vorrangiges Instrument ist der Vertragsnaturschutz. Daneben sind die Landschaftspflege- und Naturparkförderung sowie Naturschutzgroßprojekte, LIFE-Projekte, das Klimaprogramm und Projekte aus dem Konjunkturpaket II wirksam.
Der Artenschutz spielt auch bei den Maßnahmen der Bildung für nachhaltige Entwicklung eine hervorgehobene Rolle. Mit dem Naturatlas Bayern Arche, den Veranstaltungen von BayernTour Natur sowie den Angeboten der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege, den Einrichtungen der Nationalparke und Biosphärenreservate sowie den vielen anderen Umwelt-bildungseinrichtungen werden die Bürger umfassend über die biologische Vielfalt in Bayern informiert.
Bei der Durchführung vieler Projekte hat der Bayerische Naturschutzfonds eine zentrale Rolle übernommen. Seit seiner Gründung hat er die Sicherung der biologischen Vielfalt mit über 100 Millionen Euro gefördert. Davon profitierten viele bedrohte Arten und ökologisch empfindliche Gebiete.

Künftiger Handlungsbedarf

Die Schutzmaßnahmen der Bayern Arche haben sich bewährt, sie müssen fortgesetzt und intensiviert werden. Dabei sind folgende Zielbereiche vordringlich:

  • Erhalt der hoch bedrohten Arten, die vom Aussterben bedroht sind oder für die Bayern eine besondere Verantwortung hat, z. B. in den Alpen
  • Steigerung der Artenvielfalt in allen Lebensräumen, innerhalb und außerhalb von Schutzgebieten, insbesondere durch die Fortsetzung von Förderprogrammen wie Vertragsnaturschutz und Landschaftspflegeprogramm
  • Verdichtung und Stärkung des Biotopverbunds
  • Minderung der Auswirkungen des Klimawandels, vor allem durch Schutz und Wiederherstellung beeinträchtigter Moore und Aufbau eines Biotopverbundsystems
  • Intensivierung der Umweltbildung und der Erlebnisangebote in der Natur, insbesondere für Kinder und Jugendliche

Eine Trendwende im Artenschutz kann jedoch nur erreicht werden, wenn alle Bereiche der Gesellschaft mitwirken. Die typisch bayerische kleinteilige Agrarlandschaft muss erhalten bleiben. Der Ökolandbau soll gestärkt und ausgeweitet werden. Alte und naturnahe Wälder müssen als Lebensräume gesichert werden, insbesondere ist ihr Strukturreichtum zu fördern. Bei der Planung und Ausführung von Infrastrukturmaßnahmen muss die Biodiversität verstärkt berücksichtigt werden. Auch in der kommunalen Entwicklung gilt es, die Biodiversität bei allen Vorhaben zu berücksichtigen. Der Artenschutz muss darüber hinaus auch in der Bildung und Forschung eine größere Rolle spielen.
Auf nationaler und europäischer Ebene sind Förderinstrumente notwendig, mit denen die Anstrengungen Bayerns zum Erhalt von Arten und Ökosystemen wirksam unterstützt werden können. Der Alpenraum sollte zu einem europäischen Schwerpunktgebiet des Artenschutzes erklärt und durch ein Entwicklungsprogramm der EU gefördert werden.