Autofreie Kur- und Fremdenverkehrsorte in Bayern
In Bayerns Kur- und Fremdenverkehrsorten soll die Luft noch besser werden. Dazu wurde die Interessensgemeinschaft Autofreie Kur- und Fremdenverkehrsorte (IAKF) gegründet. Durch verkehrliche Entlastungskonzepte, die dem Umweltverbund, bestehend aus öffentlichem Verkehr, Fußgänger- und Fahrradverkehr, konsequent Vorrang einräumen, sollen Schadstoffe und Lärm deutlich verringert werden. In den Innenbereichen von Modellgemeinden werden schadstofffreie oder besonders schadstoffarme Busse eingesetzt.
Ausgangspunkt "Verkehrliche Entlastungskonzepte"
Fortschrittliche Gemeinden haben damit begonnen, innerstädtische Bereiche von motorisiertem Individualverkehr weitgehend freizuhalten und damit Lärm und Schadstoffe zu reduzieren. Beispielsweise wurde in Bad Reichenhall seit 1991 ein Entlastungskonzept umgesetzt, das durch Parkplätze an der Peripherie, durch konsequente Parkraumbewirtschaftung und ein Pendelbussystem in kurzer Taktfolge gekennzeichnet ist.Alternative Antriebe
Aufbauend auf derartigen verkehrlichen Entlastungskonzepten wurden seit 1992 in den Pilotgemeinden Oberstdorf, Berchtesgaden, Bad Wörishofen, Bad Füssing, Bad Reichenhall und Bad Kissingen eine breite Palette alternativer Antriebe erprobt. Sie reicht von batteriebetriebenen Elektrobussen, diesel- und gaselektrischen Hybrid- und Erdgasbussen bis hin zum weltweit ersten Brennstoffzellenbus im Linieneinsatz. Derzeit verkehren in Bad Füssing batteriebetriebene Elektrobusse sowie Erdgasbusse in mehreren IAKF-Gemeinden.
Bayern handelt konsequent
Damit reagiert Bayern angemessen und innovativ auf die vorhergesagte Zunahme des Verkehrs und die steigenden Fahrleistungen. Neben den Verdichtungsräumen richtet sich das besondere Augenmerk dabei - aufgrund des tourismusbedingten Verkehrs und der lufthygienisch besonderen Schutzbedürftigkeit - auf die Kur- und Fremdenverkehrsorte. Gerade für sie spielt das "magische Dreieck" Umwelt, Tourismus und Verkehr eine entscheidende Rolle. Entspannung, Freizeit, Erholung, Urlaub und Gesundheit vertragen sich nicht mit Verkehrslärm und verkehrsbedingten Luftschadstoffen.
Autofreiheit als "Gütesiegel"
Deshalb haben bereits verschiedene Fremdenverkehrsorte die Autofreiheit zum "Markenzeichen" erhoben. Sie beweisen, dass Autofreiheit ohne Mobilitätseinbuße möglich und ganz im Sinne der Gäste ist. So hat beispielsweise die Gemeinschaft Autofreier Schweizer Tourismusorte (GAST), die in der Grundkonzeption auch Vorbild für manch bayerische Gemeinde geworden ist, eine überdurchschnittlich günstige wirtschaftliche Entwicklung genommen.
Mehr Mobilität
Wichtig für den Erfolg verkehrlicher Entlastungskonzepte ist, dass die Mobilität der Bevölkerung nicht eingeschränkt, sondern durch ein leistungsfähiges und zugleich umweltverträglicheres Verkehrsmittel möglichst qualitativ noch verbessert wird. Dies gilt sowohl für die Mobilität von Ortsansässigen und Gästen am Ort selbst, als auch für die in das Umland gerichtete Mobilität (Ausflugsverkehr), sowie für die Anreise in das Urlaubsgebiet. Im Rahmen des EU-Projektes "Alps Mobility II" wird die Idee der sanften Mobilität weiterentwickelt und mit innovativen Ökotourismusangeboten verknüpft.
Begeisterung für Entlastungskonzepte
Die bisherigen Ergebnisse in den Pilotgemeinden zeigen, dass vom Angebot eines schadstofffreien bzw. besonders schadstoffarmen Ersatzverkehrs reger Gebrauch gemacht wird. Die Auffangparkplätze sind insbesondere in den Sommermonaten sehr gut belegt, an Spitzentagen zum Teil bereits überfüllt. Dadurch werden zum Beispiel in Oberstdorf bis zu 3.300 Fahrbewegungen pro Tag in und aus dem Hauptort heraus vermieden.
Weniger Autos - bessere Luft
Vergleichende Zählungen haben ergeben, dass die verkehrsbeeinflussenden Maßnahmen zu einem massiven Rückgang des Verkehrs in den Pilotgemeinden geführt haben. In Oberstdorf und Berchtesgaden hat sich der motorisierte Verkehr, bezogen auf den Hauptort bzw. den engeren Marktbereich halbiert und in den weitgehend autofreien Innenbereichen um rund 90 % reduziert. Luftgütemessungen spiegeln diese positiven Ergebnisse. Bei allen Schadstoffen konnte ein deutlicher Rückgang nachgewiesen werden. In Oberstdorf z.B. blieben der Atmosphäre durch die Realisierung des verkehrlichen Entlastungskonzepts pro Jahr 6,3 t Kohlenmonoxid, 1,5 t Kohlenwasserstoffe, 6,8 t Stickoxide sowie 200 t des Treibhausgases Kohlendioxid erspart.
Interessengemeinschaft
Auf Anregung des damaligen Bayerischen Staatsministeriums für Landesentwicklung und Umweltfragen (jetzt Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit) wurde 1993 die Interessengemeinschaft für Autofreie Kur- und Fremdenverkehrsorte (IAKF) gegründet. Ihr gehören 22 Gemeinden an, denen die Reduzierung verkehrsbedingter Umweltbelastungen ein besonderes Anliegen ist und die daher ähnlich wie die bisherigen Pilotgemeinden Entlastungskonzepte planen bzw. erfolgreich in Angriff genommen haben. Zu letzteren zählen insbesondere die Staatsbäder Bad Reichenhall und Bad Kissingen sowie Rothenburg o.d. Tauber und Lindau.
