Täglich werden in Bayern 20,8 Hektar (Stand: 31.12.2010) Freifläche zu Siedlungs- und Verkehrsfläche umgewandelt, was jährlich in etwa der Siedlungs- und Verkehrsfläche des gesamten Landkreises Forchheim entspricht.
Als "Flächenverbrauch“ wird allgemein die Inanspruchnahme von meist landwirtschaftlich genutzten Flächen für Siedlungs- und Verkehrszwecke definiert. Die Siedlungs- und Verkehrsfläche enthält folgende Unterkategorien:
Gebäude- und Freifläche,
Betriebsfläche (ohne Abbaufläche),
Erholungsfläche,
Friedhofsfläche,
Verkehrsfläche.
Per Definition sind Siedlungs- und Verkehrsflächen nicht ausschließlich versiegelt, sondern enthalten auch unversiegelte Bereiche. In Bayern beträgt der Anteil der versiegelten Fläche an der Siedlungs- und Verkehrsfläche im Durchschnitt 47,2 Prozent.
Entwicklung der Flächeninanspruchnahme in Bayern
Der Trend der Flächeninanspruchnahme war in den Jahren 2001-2004 stark rückläufig. Die Anstiege 2006 und 2010 haben mehrere Ursachen. Zum einen spiegeln sich baukonjunkturelle Einflüsse wieder, 2006 zusätzlich die Ende 2005 ausgelaufene Eigenheimzulage. Zum anderen beeinflussen statistische Effekte die Zahlen. Seit 2003 werden in den Vermessungsämtern durch die sukzessive Umstellung vom Automatisierten Liegenschaftsbuch (ALB) zum Amtlichen Liegenschaftskataster-Informationssystem (ALKIS) Flächen nach einer neuen Systematik erfasst und teilweise anderen Kategorien zugeordnet. Zum Beispiel werden Flächen, die früher der Landwirtschaft zugeordnet waren (z.B. Kleingärten), jetzt den Siedlungs- und Verkehrsflächen (Erholungsfläche) zugeordnet und führen dadurch, ohne dass sich in der Realität eine Änderung der Nutzung ergeben hat, zu einem Anstieg der Siedlungs- und Verkehrsflächen. Vorteil des neuen Systems ist eine deutlich erhöhte Genauigkeit bei der Erfassung der Flächennutzung, da nicht mehr flurstücksbezogen nach der vorherrschenden Nutzung, sondern unabhängig vom Flurstückszuschnitt die tatsächliche Nutzung erfasst wird. Der Umstellungsprozess wird noch mindestens bis zum Jahr 2012 die Statistik beeinflussen.
Ziel der bayerischen Staatsregierung ist es, die Flächeninanspruchnahme bis 2020 deutlich zu reduzieren und tatsächliche Neuinanspruchnahme von Flächen durch erneute Nutzung vorhandener Flächen wesentlich zu minimieren.
Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsfläche nach Regionsgruppen
Räumliche Schwerpunkte der Flächeninanspruchnahme in Bayern sind die Grenzland- und überwiegend strukturschwachen Regionen mit einer Zunahme von 7,9 Hektar (ha) pro Tag im Zeitraum 2000-2008, gefolgt von den sonstigen ländlichen Regionen mit einer Zunahme von 5,1 ha pro Tag. In den Regionen mit großen Verdichtungsräumen war die Zunahme mit 4,3 ha pro Tag am niedrigsten. Diese Daten werden nur alle 4 Jahre erhoben.
Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsfläche nach Regionsgruppen
Jahr
1980-1984
1984-1988
1988-1992
1992-1996
1996-2000
2000-2004
2004-2008
Regionen mit großen Verdichtungsräumen
6,0
4,8
4,5
7,0
6,7
4,1
4,3
Grenzland und überwiegend strukturschwache Regionen
10,9
10,6
8,4
13,2
14,4
8,9
7,9
Sonstige ländliche Regionen
6,7
5,9
4,9
7,1
7,4
5,0
5,1
Gesamt
23,6
31,3
17,8
27,3
28,5
18
17,3
Anteil der Siedlungs- und Verkehrsfläche an der Gesamtfläche
Als Folge der Flächeninanspruchnahme stieg in Bayern der Anteil der Siedlungs- und Verkehrsfläche an der Gesamtfläche von 1981 bis 2010 von 8,0 % bis auf 11,3 % an. Bayern liegt damit unter dem deutschen Durchschnitt von 13,4 Prozent. Bayern hat unter allen alten Bundesländern den geringsten Anteil von Siedlungs- und Verkehrsfläche.
Anteil der Siedlungs- und Verkehrsfläche an der Gesamtfläche
Bundesland
Prozentsatz
Nordrhein-Westfalen
22,5
Saarland
20,7
Hessen
15,5
Rheinland-Pfalz
14,2
Baden-Württemberg
14,1
Niedersachsen
13,6
Deutschland
13,4
Schleswig-Holstein
12,6
Sachsen
12,5
Bayern
11,3
Sachsen-Anhalt
11,0
Thüringen
9,3
Brandenburg
9,2
Mecklenburg-Vorpommern
8,0
Zunahme der Gebäude- und Freifläche in Bayern nach Unterkategorien
Die Gebäude- und Freifläche hat 1997-2008 durchschnittlich um 17,3 Prozent (%) zugenommen. Ihre Unterkategorien "Wohnen" und "Gewerbe, Industrie“ haben sich mit 23,9 % beziehungsweise 23,5 % durchschnittlich entwickelt. Deutlich überdurchschnittlich hat sich die Unterkategorie "Handel und Dienstleitungen" mit mit 60,4 % entwickelt.
Zunahme der Gebäude- und Freifläche in Bayern nach Unterkategorien
Unterkategorie
Gebäude- und Freifläche Öffentliche Zwecke
Gebäude- und Freifläche Wohnen
Gebäude- und Freifläche Handel und Dienstleistungen
Gebäude- und Freifläche Gewerbe und Industrie
Prozent
16,5
23,9
60,4
23,5
Flächeninanspruchnahme pro Einwohner
Einwohnerbezogen befindet sich die Flächeninanspruchnahme in Bayern mit 6,1 Quadratmeter (m2) pro Einwohner und Jahr im oberen Mittelfeld der Länder. Den Spitzenwert weist Mecklenburg-Vorpommern auf.
Verhältnis von Einwohner- und Siedlungs- und Verkehrsflächenentwicklung
Die Entwicklung der Siedlungs- und Verkehrsfläche verläuft deutlich dynamischer als die Einwohnerentwicklung. Während die Siedlungs- und Verkehrsfläche im Zeitraum 1980-2010 um über 40 Prozent (%) zunahm, stieg die Einwohnerzahl nur um 14 % an. Gründe hierfür sind vor allem die Zunahme der Einpersonenhaushalte, wobei Senioren hier den Hauptanteil stellen. Dies geht einher mit einem Anstieg der individuellen Wohnfläche, unter anderem verursacht durch den Verbleib der Eltern in großen Häusern und Wohnungen nach dem Auszug der Kinder.