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Bayerisches Staatsministerium für
Umwelt und Gesundheit

Projekte Bodenschutz und Geologie

Mit Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Gesundheit (StMUG) werden Projekte mit dem Ziel gefördert, die für den Vollzug der Bodenschutzgesetze benötigten Grundlagen bereit zu stellen und innovative Konzepte für die geowissenschaftliche Landesaufnahme und für den Bodenschutz zu erarbeiten. Nachfolgend wird eine Auswahl wichtiger Projekte dargestellt:

Hintergrundwerte organischer und anorganischer Schadstoffe in Böden

Hintergrundwerte geben den Ist-Zustand der stofflichen Belastung von Böden wieder. Hintergrundwerte setzen sich aus dem geogenen Grundgehalt, d.h. dem Stoffbestand des Bodens, der sich aus dem Ausgangsgestein (lithogener Anteil) und der durch die Bodenentwicklung beeinflussten Anreicherung oder Verarmung (pedogener Anteil) in Böden ergibt und aus der ubiquitären Stoffverteilung als Folge diffuser Einträge in den Boden zusammen.

Zum Vollzug des Bodenschutzrechts werden flächenhafte Ausweisungen von Gebieten mit erhöhten Hintergrundwerten benötigt, da eine Überschreitung der Vorsorgewerte der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung auf Böden mit natur- oder siedlungsbedingt erhöhten Stoffgehalten unbedenklich ist, soweit keine Freisetzung der Schadstoffe erfolgt oder zusätzliche Einträge nachteilige Auswirkungen auf die Bodenfunktionen erwarten lassen. In einem Pilotvorhaben wurden vom LfU gemeinsam mit den Wasserwirtschaftsämtern regional differenzierte Hintergrundwerte erarbeitet.

Boden-Dauerbeobachtung in Bayern

Mit dem Bundes-Bodenschutzgesetz wurde der vorsorgende Bodenschutz und die nachhaltige Nutzung der Böden gesetzlich verankert.
Für einen vorsorgenden Bodenschutz sind genaue Kenntnisse erforderlich über

  • den aktuellen Zustand der Böden, insbesondere hinsichtlich bestehender Belastungen,
  • die Eigenschaften der Böden (chemische, physikalische, biologische),
  • die Verbreitung der Böden,
  • die Belastbarkeit der Böden,
  • die Kohlenstoffspeicherkapazität im Hinblick auf den Klimawandel.

Die Boden-Dauerbeobachtung ist ein Instrument zur langfristigen Überwachung der Veränderung von Bodenzuständen und Bodenfunktionen im Sinne des vorsorgenden Bodenschutzes.

Wesentliche Ziele der Boden-Dauerbeobachtung sind:

  • Beschreibung des Ist-Zustandes der Böden
  • Langfristige Überwachung der Veränderungen der Böden durch periodische Untersuchungen des Bodenzustands und/oder Bilanzierung des Stoffhaushalts
  • Ableitung der Empfindlichkeit von Böden im Hinblick auf verschiedene Einflussgrößen
  • Prognose der zukünftigen Entwicklung des Bodenzustands.

Bereits Mitte der 80er Jahre wurde in Bayern ein landesweites Boden-Dauerbeobachtungsflächen (BDF)-Programm aufgebaut. Auf landwirtschaftlich genutzten Flächen wurden 133 BDF von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, auf Waldstandorten 78 BDF von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft und in Naturschutzgebieten, Nationalparks, Park- und Gartenflächen u.a. 60 BDF vom LfU eingerichtet. Die Untersuchungen erfolgen in Abstimmung der drei Institutionen. Die Ergebnisse der Boden-Dauerbeobachtungsflächen werden als ein wesentlicher Bestandteil in das Bodeninformationssystem Bayern eingestellt.

Bodeninformationssystem Bayern

Das Bodeninformationssystems Bayern wird beim LfU geführt. Inhalt und Zweck werden in Art. 7 und 8 des Bayerischen Bodenschutzgesetzes festgelegt. Das Bodeninformationssystem umfasst die von staatlichen und sonstigen öffentlichen Stellen im Rahmen von Untersuchungen erhobenen Daten und Auswertungen über die chemische, physikalische und biologische Beschaffenheit des Bodens, der landesweit eingerichteten Boden-Dauerbeobachtungsflächen sowie der beim LfU angesiedelten Bodenprobenbank.

Das Bodeninformationssystem enthält ferner als zentraler Geo-Fachdatenatlas Karten und geowissenschaftliche Fachdaten zu den Themenbereichen der Geologie, der Hydrogeologie, der Rohstoffe und der Georisiken.

Hydrogeologische Landesaufnahme

Im Rahmen der hydrogeologischen Landesaufnahme wird Bayern im Umgriff der 18 Planungsregionen regionenweise geowissenschaftlich kartiert. Die Arbeiten werden vom Bayerischen Landesamt für Umwelt im Auftrag des StMUG durchgeführt.

Die wesentlichen Produkte der hydrogeologischen Landesaufnahme sind die thematischen Grundkarten der Hydrogeologie im Maßstab 1 : 50.000 (HK50), die Karten der Schutzfunktion der Grundwasserüberdeckung und die hydrogeologischen Profilschnitte. Eine wichtige Voraussetzung für die hydrogeologische Kartierung ist ferner die flächendeckende Verfügbarkeit der geologischen und bodenkundlichen Grundlagenkarten. Sind diese nicht vorhanden, werden sie im Zuge der hydrogeologischen Landesaufnahme in Form der Geologischen Karte im Maßstab 1 : 25.000 (GK25) und der Übersichtsbodenkarte im Maßstab 1 : 25.000 (ÜBK25) mit erstellt.

Ziel ist die flächendeckende Fertigstellung des hydrogeologischen Kartenwerks im Maßstab 1 : 50.000 inklusive der geologischen und bodenkundlichen Grundlagenkarten im Maßstab 1 : 25.000 bis zum Jahr 2015. Ein flächendeckendes amtliches geowissenschaftliches, d.h. geologisches, hydrogeologisches und bodenkundliches Kartenwerk Bayerns soll bis 2025 erstellt werden.

Die Inhalte des hydrogeologischen, geologischen und bodenkundlichen Kartenwerke werden sowohl in Form digitaler Druck- oder Plotvorlagen als auch in Form von Vektordaten z.B. für die direkte Verwendung in numerischen Grundwassermodellen vorgehalten. Ferner sind die Karten und Datenpools der hydrogeologischen Landesaufnahme online über das Bodeninformationssystem Bayern des LfU unter Beachtung der datenschutzrechtlichen Bestimmungen einem breiten Nutzerkreis zugänglich.

Die Ergebnisse der hydrogeologischen Landesaufnahme sind fachliche Grundlage für die Beantwortung zahlreicher Fragestellungen wie:

  • die Planung von Detailuntersuchungen für die Ermittlung von Grundwassereinzugsgebieten und Trinkwasserschutzgebieten sowie die Behandlung von Altlasten
  • die Trinkwassererkundung und -erschließung sowie Hochwasserschutzmaßnahmen
  • den Vollzug der Bodenschutzgesetze
  • die Klärung wesentlicher fachlicher Aspekte zur Vermeidung von Zielkonflikten zwischen Grundwasserschutz, Naturschutz und dem Abbau von oberflächennahen mineralischen Rohstoffen
  • die Planung von Verkehrswegen und Durchführung von Baumaßnahmen
  • die Nutzung von Rohstoffen und der Geothermie
  • die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie
  • ökologischer Fragen des Naturschutzes

Informationsoffensive oberflächennahe Geothermie

Im Rahmen des Projektes "Informationsoffensive oberflächennahe Geothermie 2008 - 2011" werden durch das LfU im Auftrag des StMUG und mit Förderung durch die Europäische Union (EFRE - Europäischer Fonds für Regionale Entwicklung) die Planungsregionen

  • 6 (Oberpfalz-Nord),
  • 7 (Industrieregion Mittelfranken),
  • 8 (Westmittelfranken),
  • 11 (Regensburg),
  • 18 (Südostoberbayern),
  • der Nordteil der Planungsregion 9 (Augsburg),
  • der Ostteil der Planungsregion 17 (Oberland)

geologisch, bodenkundlich und hydrogeologisch bearbeitet.

Besonderes Augenmerk wird hierbei auf die speziellen Fragestellungen der oberflächennahen Geothermie (Erdwärmenutzung) gelegt. Ziel ist die Schaffung bayernweiter Rahmenbedingungskarten für die Erdwärmenutzung im Maßstab 1 : 50.000 sowie eines entsprechenden online-Informationsportals für Bürger, Fachleute und Behörden. Zugleich findet in diesem Vorhaben die hydrogeologische Landesaufnahme zur Schaffung der geowissenschaftlichen Grundlagen für die Erdwärmenutzung ihre Fortsetzung.

Weitere mit Mitteln des StMUG durchgeführte Projekte (Auswahl):

  • Erfassung und Überwachung von Massenbewegungen (LfU)
  • Gefahrenhinweiskarte bayerische Alpen (LfU)
  • Permafrostmessungen an der Zugspitze (LfU)
  • Erfassung geowissenschaftlich schutzwürdiger Objekte - Geotopkataster (LfU)
  • Lehrerhandreichungen "Lernort Boden" und "Geologie"
  • Bodenlehrpfade/Bodenstationen
  • Umweltbildungsmaßnahmen
  • Erdbebendienst Bayern