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Bayerisches Staatsministerium für
Umwelt und Gesundheit

Integrierte Produktpolitik (IPP): Nachhaltiges Handeln auf Produktebene

Das IPP-Konzept

Logo Integrierte Produktpolitik Links: txt rechts: Weltkugel, durchzogen mit Rechtecken;

Der nachsorgende Umweltschutz der vergangenen Jahrzehnte hat die Qualität unserer Umwelt bedeutend verbessert. Er betrachtet vor allem punktuelle Emissionsquellen und ist vorwiegend auf die Verminderung von Schadstoffeinträgen in die verschiedenen Umweltmedien ausgerichtet (End-of-Pipe-Technologie). Vergleichsweise wenig Beachtung schenkte die Umweltpolitik dagegen den diffusen Emissionsquellen: durch Produkte hervorgerufene Umweltwirkungen.

Um dieses Defizit auszugleichen, gibt es seit der zweiten Hälfte der 90er Jahre auf EU-Ebene erste Ansätze für eine produktbezogene Umweltpolitik: die Integrierte Produktpolitik (IPP). Sie ist eine umfassende Strategie zur systematischen und kontinuierlichen Verminderung von Umweltauswirkungen, die von Produkten über ihren gesamten Lebensweg ausgehen. Dieser Verbesserungsprozess verlangt die gleichzeitige Berücksichtigung von Umwelt- und Wirtschaftsaspekten sowie möglichst auch sozialer Gesichtspunkte. IPP bringt damit Ökologie und Ökonomie unter einen Hut; sie konkretisiert das Vorsorgeprinzip des Nachhaltigkeitskonzepts und leistet einen Beitrag zum Ressourcen- und Klimaschutz.

IPP ist auch im Umweltpakt Bayern, einer auf Freiwilligkeit beruhenden Zusammenarbeit zwischen Bayerischer Staatsregierung und bayerischer Wirtschaft, als Schwerpunktthema fest verankert und dort wie folgt definiert:
"Integrierte Produktpolitik fördert und zielt auf eine stetige Verbesserung von Produkten und damit zusammenhängenden Dienstleistungen hinsichtlich ihrer Wirkungen auf Menschen und Umwelt entlang des gesamten Lebensweges“ (Umweltpakt Bayern 2000).

Prinzipien der Integrierten Produktpolitik:

  • Kommunikation

  • Möglichst viele der am Produktlebensweg beteiligten Akteure verständigen sich auf gemeinsame Ziele und Vorgehensweisen. Innerhalb der Wirtschaft findet insbesondere zwischen Zulieferern und Herstellern ein ständiger Informations- und Wissensaustausch statt, der – ergänzt durch den Dialog und das Feedback mit Wissenschaft, Handel, Verbrauchern und ggf. dem Staat – mehr gegenseitiges Verständnis und eine bessere Abstimmung der jeweiligen Bedürfnisse zum Ergebnis hat.
  • Kooperation

  • Für eine Lebensweg betrachtende Verbesserung von Produkten ist die Zusammenarbeit der vorgenannten Akteure erforderlich. Ansatzpunkte und Umsetzungswege für IPP können nicht isoliert oder nur unternehmensintern erarbeitet werden. Die vielfältigen und spezifischen Kenntnisse sowie Erfahrungen der Partner erleichtern und beschleunigen umfassende Produktinnovationen. Wirkungszusammenhänge auf vor- und nachgelagerten Stufen im Produktlebenszyklus können frühzeitig erkannt und beeinflusst werden.
  • Integration

  • Im Zusammenhang mit IPP ist das Denken in umfassenden Systemen und Zusammenhängen gemeint. "Von der Wiege bis zur Bahre“ wird der gesamte Lebensweg eines Produkts unter ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten betrachtet. Umweltverbesserungen an einer Stelle des Lebenswegs werden nicht zu Lasten anderer Phasen erzielt, indem Probleme zwischen Umweltmedien, Disziplinen, Regionen, Partnern oder Generationen lediglich verlagert werden.

Akteure im Lebenszyklus eines Produkts sind z. B. Logistik, Handel, Vertriebspartner, Fachpresse, Dienstleister, Kundendienst, Entsorger und Nutzer/Verbraucher, die Gestaltungsmöglichkeiten durch unmittelbaren oder mittelbaren Einfluss auf das betrachtete Produktsystem haben. Der Staat nimmt lediglich eine den Prozess anstoßende und begleitende, höchstens aber eine moderierende und unterstützende Rolle zwischen den beteiligten Akteuren ein.