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Umwelt-Lexikon
Nachhaltige Entwicklung
Das Leitbild der »nachhaltigen Entwicklung« (gleichbedeutend mit »dauerhaft und umweltgerecht« oder »nachhaltig zukunftsverträglich« oder »Sustainable Development«) stellt eine neue Konzeption sowohl der Raumordnungspolitik als auch der Umweltpolitik dar. Leitvorstellung der Raumordnung ist eine nachhaltige Raumentwicklung, die die sozialen und wirtschaftlichen Ansprüche an den Raum mit seinen ökologischen Funktionen in Einklang bringt. Im Hinblick auf die Umweltpolitik wird ein Handeln aller auf die Umwelt und die Raumentwicklung wirkenden gesellschaftlichen Gruppen Produzenten und Konsumenten, öffentliche Institutionen und Privatpersonen dahingehend angestrebt, daß Umweltprobleme auch langfristig nicht mehr entstehen (vorsorgender Umweltschutz). Die Umweltmedien dürfen nur bis zu einem gewissen Umfang mit Schadstoffen belastet werden, in dem diese ohne substantielle Schädigung bzw. Beeinträchtigung auch wieder abgebaut werden können. Nicht erneuerbare Ressourcen (z.B. fossile Brennstoffe) sollen nur in dem Maße in Anspruch genommen werden, wie Ersatz an erneuerbaren Materialien zur Verfügung steht. Für eine N. ist es darüber hinaus unerläßlich, bereits eingetretene Umweltschäden zu beseitigen bzw. auf ein vertretbares Maß zu reduzieren, und so die Lebensgrundlage künftiger Generationen auch weiterhin zu erhalten.
Nachwachsende Rohstoffe
Sammelbegriff für stofflich und energetisch genutzte Biomasse (keine Futter- und Lebensmittel). Es handelt sich hierbei idR. um land- und forstwirtschaftlich erzeugte Rohstoffe wie Holz, Flachs, Raps, Zuckerstoffe und Stärke aus Rüben, Kartoffeln oder Mais, die nach der Aufbereitung einer weiteren stofflichen oder energetischen Anwendung zugeführt werden können. Auch tierische Rohstoffe wie Wolle und Leder lassen sich im weitesten Sinne zu dieser Kategorie zählen. Entscheidender Vorteil der N. im Vergleich beispielsweise zu fossilen Rohstoffen ist, daß sie nachhaltig gewonnen werden können. Ein anderer Pluspunkt ist ihre CO2-Neutralität bei der Verbrennung. Dies erklärt sich dadurch, daß das bei der Verbrennung von pflanzlichen Rohstoffen freiwerdende Kohlendioxid vorher von der Pflanze durch die Photosynthese zunächst einmal gebunden wurde. Die heute populärste Anwendung von N. ist der Einsatz von Holz in Feuerungen sowie auch neuerdings von Biodiesel in Dieselfahrzeugen. Aber auch die chemische Industrie zeigt sich mehr und mehr interessiert, für die Bereitstellung ihrer Grundstoffe auf N. zurückzugreifen und tut dies bereits heute in ganz beachtlichem Umfang. Auch wenn gerade in den letzten Jahren neue Produkte aus N. auf den Markt gekommen sind - man denke nur an biologisch-abbaubare Folien und Verpackungen - steht diese Branche erst am Anfang ihrer Entwicklung. Sicher ist es notwendig, in jedem Einzelfall zu prüfen, ob der Einsatz von N. ökologisch wie ökonomisch wirklich sinnvoll ist; nicht in jedem Fall stellt ihr Einsatz nämlich die bessere Variante dar.
Nachweisgrenze
Im allgemeinen Sprachgebrauch kennzeichnet die N. denjenigen Meßwert, unterhalb dessen die genauesten jeweils zur Verfügung stehenden Nachweismethoden versagen.
Nachweisverfahren
Formales Verfahren zur Überwachung der Entsorgung besonders überwachungsbedürftiger Abfälle, in der Regel bestehend aus einem Entsorgungsnachweis, der eine Vorabkontrolle über die Zulässigkeit der vorgesehenen Entsorgung darstellt, und dem Begleitscheinverfahren, das den Nachweis über die durchgeführte Entsorgung sicherstellt. Sofern die Entsorgung durch einen besonders zuverlässigen oder qualifizierten Betrieb (z.B. Entsorgungsfachbetrieb) erfolgt, kann die Zulässigkeit der vorgesehenen Entsorgung statt durch einen Entsorgungsnachweis auch durch ein Anzeigeverfahren erfolgen.
Nahbereich
Nahbereiche bilden die Verflechtungsbereiche für die Deckung des Grundbedarfs. Sie sind jedem zentralen Ort zugeordnet. Höherrangige Zentren übernehmen für ihren Nahbereich die Funktion der zentralen Orte niedrigerer Stufe mit. Nahbereiche können in Abhängigkeit von der jeweiligen besonderen Raum- und Siedlungsstruktur das Gebiet einer oder mehrerer Gemeinden umfassen. Sie sollten mindestens 5.000 Einwohner (Kleinzentren) bzw. 10.000 Einwohner (Unterzentren) aufweisen.
Naherholung
Besonders an den Wochenenden verbringen viele Menschen ihre Freizeit in stadtnahen Erholungsgebieten. Das führt zu vielfältigen Belastungen der Natur. Umwelttip: Abfälle dürfen auf keinen Fall in der freien Natur weggeworfen werden. Bei der Erholung im Freien keinen Lärm machen, Wanderwege nicht verlassen. Wenn möglich, Naherholungsgebiete zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln aufsuchen.
Nahrungskette
Lebensgemeinschaften in Pflanzen- und Tierwelt sind durch Nahrungsketten miteinander verbunden: Von den Pflanzen ernähren sich die Pflanzenfresser (z.B. Feldhase), die wiederum Fleischfressern (z.B. Fuchs) als Nahrung dienen. Gelangen in irgendein Glied dieser unterschiedlich langen Nahrungskette Schadstoffe (z.B. Rückstände von chemischen Pflanzenschutzmitteln), so können sich diese in den Organismen anreichern. Die letzten Glieder einer Nahrungskette erhalten dann die größte, eventuell lebensbedrohende Dosis. Aus diesem Grund sind z.B. Greifvögel besonders gefährdet. Auch der Mensch steht am Ende einer Nahrungskette.
Nahverkehrssystem
Linienbusse, Straßenbahnen, U- und S-Bahnen sind in den Ballungsräumen in einem aufeinander abgestimmten Verkehrssystem verknüpft. Diese öffentlichen Nahverkehrsmittel sind umweltfreundlich, weil sie mit wenig Energie viele Menschen transportieren. Umwelttip: In den Städten sind die meisten Fahrtziele mit öffentlichen Verkehrsmitteln leicht zu erreichen. Wer sie benutzt und dafür das Auto stehenläßt, leistet einen guten Beitrag zum Umweltschutz: Die Luft wird weniger verpestet, die Straßen sind weniger verstopft, und man selbst spart eine Menge Benzin.
Nahwärmeversorgung
Unter N. versteht man im Gegensatz zur Fernwärmeversorgung ganzer Städte oder Stadtteile die Verteilung von Wärme im direkten Umfeld des Ortes der Energieerzeugung. Häufig eingesetzt werden hierfür sogenannte Blockheizkraftwerke (BHKW), die neben Wärme auch Strom liefern. Häufig ist die N. in Mehrfamilienhäusern oder kleineren Siedlungen, aber auch im Gewerbebereich realisiert (Kraft-Wärme-Kopplung).
Nationalpark
Größere Gebiete, die wegen ihrer landschaftlichen Schönheit überragende Bedeutung besitzen. Sie dienen vorrangig dem Naturschutz, d.h. der Erhaltung und Wiederherstellung natürlicher oder naturnaher Lebensgemeinschaften, daneben auch der Forschung und, soweit es der Schutzzweck erlaubt, auch der Erholung. In Deutschland gibt es insgesamt zwölf Nationalparks, davon zwei in Bayern. Deutschlands erster Nationalpark war der Nationalpark Bayerischer Wald. Hinzu kommt der Alpennationalpark Berchtesgaden.
Natur
ist die ursprüngliche Beschaffenheit der Umwelt mit allem in ihr vorkommendem Leben, das sich selbst erhält, ohne künstliche Einwirkungen oder Veränderungen.
Natura 2000
Natura 2000 ist die Bezeichnung für ein europäisches Netz zum Biotopverbund, das die Europäische Union im gesamten Gebiet der Mitgliedstaaten einrichten will. Dieses Projekt ist ein wesentlicher Beitrag der Europäischen Union zur Umsetzung des "Übereinkommens über die Biologische Vielfalt", das 1992 anlässlich der Umweltkonferenz der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro unterzeichnet wurde. Alle Mitgliedstaaten, damit auch die Bundesrepublik Deutschland, haben sich verpflichtet, an Natura 2000 mitzuwirken und damit das Naturerbe Europas zu sichern. Es handelt sich damit um eines der weltweit größten Projekte zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen. www.natur.bayern.de
Naturdenkmal
ist eine Einzelschöpfung der Natur, die wegen ihrer Schönheit oder wissenschaftlich, ökologisch oder historisch von besonderer Bedeutung ist (z.B. alte Bäume, Höhlen, Felsen, Wasserfälle). Solche Naturdenkmäler werden unter Schutz gestellt.
Naturhaushalt
Er umfaßt Pflanzen, Tiere, Boden, Wasser, Luft und Klima, das aus dem Zusammenspiel der Witterungsfaktoren Regen, Sonne, Temperatur und Wind entsteht. Wenn einer dieser Faktoren gestört ist oder ganz fehlt, verliert der gesamte Naturhaushalt das Gleichgewicht.
Naturlandschaft
ist im Gegensatz zur Kulturlandschaft vom Menschen noch nicht verändert worden. Solche Naturlandschaften gibt es in Europa nur noch in kleinem Ausmaß, z.B. in den höheren Regionen der Alpen.
Naturpark
Größere, mindestens 20 000 ha umfassende Gebiete, die sich wegen ihrer naturnahen Landschaft besonders für die Erholung eignen. Sie stehen überwiegend unter Landschaftsschutz.
Naturpotential
ist zum einen die Bezeichnung für das, was der Naturhaushalt für die menschliche Nutzung insgesamt leisten kann (Wasser wird z.B. als Trinkwasser genutzt oder kann zur Gewinnung von elektrischer Energie dienen, Bäume liefern Holz für Papierherstellung und Möbel, Pflanzen dienen als Nahrungsmittel usw.). Naturpotential ist aber auch die Bezeichnung für die Summe der in der Natur wirkenden Faktoren Pflanze, Tier, Boden und Witterung.
Naturschutz
Ziel des Naturschutzes ist es, Natur und Landschaft so zu schützen, zu pflegen und zu entwickeln, daß »die Leistungsfähigkeit des Naturhaushalts, die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter, die Pflanzen- und Tierwelt sowie die Vielfalt, Eigenart und Schönheit von Natur und Landschaft als Lebensgrundlagen des Menschen und als Voraussetzung für seine Erholung in Natur und Landschaft nachhaltig gesichert sind« (siehe § 1 (1) Bundesnaturschutzgesetz). Die Zuständigkeit für Naturschutzfragen liegt bei den Bundesländern. Aufgrund entsprechender Naturschutzgesetze können sie Naturschutzgebiete, Nationalparks, Naturdenkmäler, Landschaftsschutzgebiete und Naturparks sowie schützenswerte Bestandteile der Natur durch Verordnung sichern. Durch Naturschutzgesetze werden u. a. auch zahlreiche heimische Pflanzen- und Tierarten geschützt. Vollzogen wird der Naturschutz durch die Naturschutzbehörden, z.B. die Landratsämter und die kreisfreien Städte, die Bezirksregierungen und das Umweltministerium. Die Einhaltung der Naturschutzbestimmungen kann von der Naturschutzwacht kontrolliert werden. Auch die Naturschutzverbände (Deutscher Naturschutzring, Bund Naturschutz, Schutzgemeinschaft Deutscher Wald) setzen sich für den Schutz der Natur ein.
Naturschutzfonds
ist eine Stiftung des öffentlichen Rechts, die der Freistaat Bayern 1982 gegründet hat. Die Stiftung fördert die Bestrebungen für die Erhaltung der natürlichen Umwelt und der natürlichen Lebensgrundlagen. Hierzu leistet sie Zuschüsse für den Erwerb und die Pacht naturschutzfachlich bedeutsamer Flächen durch Kommunen und Naturschutzverbände sowie für sonstige Maßnahmen zugunsten des Naturschutzes und der Landschaftspflege. Der Naturschutzfonds erzielte die benötigten Mittel bisher vor allem aus der Anlage seines Stiftungsvermögens von 25 Mio DM. Um den Zielen bayerischer Naturschutzpolitik Nachdruck zu verleihen, haben Landtag und Ministerrat entschieden, daß die Stiftung ab 1997 zusätzlich 7 Mio DM jährlich für die Erfüllung ihrer Aufgaben aus dem Staatshaushalt erhält. Diese Gelder sollen z.B. zum Aufbau eines landesweiten Biotopverbundes beitragen, Lebensräume mit besonderer Bedeutung für den Naturhaushalt und das Landschaftsbild bewahren und im Rahmen von Artenhilfsprogrammen das Überleben bedrohter Tier- und Pflanzenarten sicherstellen.
Naturschutzgebiet
Die Ausweisung von Naturschutzgebieten ist das strengste rechtliche Instrument zum Schutz von Natur und Landschaft. Sie werden insbesondere zur Erhaltung von Lebensgemeinschaften oder Lebensräumen wildwachsender Pflanzen- und wildlebender Tierarten ausgewiesen. Im Naturschutzgebiet sind grundsätzlich alle störenden Maßnahmen (z.B. der Bau von Straßen, Wegen und Gebäuden, Veränderungen am Grundwasser u.ä.) verboten. Auch das Betreten von Naturschutzgebieten kann eingeschränkt werden. Im Bundesgebiet sind derzeit etwa 2%, in Bayern 2,51% der Landesfläche als Naturschutzgebiet ausgewiesen.
Niederschläge
(Regen und Schnee) sind ein wichtiges Glied im Wasserkreislauf. Bei der Verdunstung geben die Oberflächengewässer, die Böden und Pflanzen Feuchtigkeit an die Luft ab, dort bilden sich Wolken, die das verdunstete Wasser in Form von Regen oder Schnee dann wieder an die Erde zurückgeben. Durch den Niederschlag erhalten die Pflanzen alles Nötige, denn das in den Boden einsickernde Regenwasser löst und transportiert die dort angesammelten Nährstoffe und führt sie den Pflanzen zu. Die Niederschläge speisen ebenfalls das Grundwasser, und ein Teil von ihnen verdunstet oder läuft über die Oberflächengewässer ab. Durch die zunehmende Luftverschmutzung reichern sich die Niederschläge mit immer mehr Schadstoffen an (»saurer Regen«).
Niedrigenergiehaus
Die nach der bis 1994 gültigen Wärmeschutzverordnung errichteten Gebäude weisen je nach Gebäudetyp einen jährlichen Heizwärmebedarf von 120 bis180 kWh/m2 auf. Entsprechend der ab 1.1.1995 geltenden Verordnung wurde dieser Wert bei Neubauten nunmehr auf 54 bis 100 kWh/m2 begrenzt. Häuser, die diesen oder einen noch darunterliegenden Wärmeverbrauch aufweisen, werden als Niedrigenergiehäuser bezeichnet (Wärmeschutzverordnung).
Nistplätze
Wenn Vögel ihre Nistplätze verlieren, können sie sich nicht mehr fortpflanzen. Gefährdet sind die Nistplätze durch Abholzen und Abbrennen der Hecken, durch Trockenlegung von Feuchtgebieten und durch Betonfassaden und glattes Mauerwerk (viele Vogelarten nutzen Mauerritzen und geschützte Hausnischen zum Nestbau). Außerdem werden viele Vögel durch ständige Ruhestörung von ihren Nistplätzen vertrieben. Umwelttip: Helfen kann man den Vögeln auch, wenn man Nisthilfen im eigenen Garten anbringt und durch die Anlage von Biotopen und naturnaher Gärten.
Nitrat
N. ist das Salz der Salpetersäure (HNO3). Nitrate (-NO3-) werden als Mineraldünger zur Stickstoffversorgung der Pflanzen im Agrarbereich genutzt. Als leicht wasserlösliche Substanzen werden sie mit dem Niederschlagswasser in Oberflächengewässer und ins Grundwasser transportiert. Um der fortschreitenden Eutrophierung der Gewässer zu begegnen, die neben Phosphat entscheidend vom N. mitverursacht wird, entfernt man diesen Nährstoff in Kläranlagen aus dem Abwasser (Denitrifikation/Nitrifikation). Nitrate gelten zwar selbst nicht als gesundheitsschädlich, können aber im Verdauungstrakt zu Nitriten umgewandelt werden. Nitrit kann insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern zu mangelnder Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff (Blausucht) führen. Ferner entstehen aus Nitriten im Körper bisweilen krebserregende Nitrosamine.
NOx
Chemische Bezeichnung für Stickstoffoxide.
